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Geschichte
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1953 begann Pablo Neruda mit dem Bau eines Hauses in Santiago, für seine damalige heimliche Geliebte, Matilde Urrutia. Er taufte das Haus auf den Namen „La Chascona“, welcher dem Kosenamen entspricht, den er seiner Matilde, aufgrund ihrer wallenden roten Mähne gab (‚chascón‘ heißt so viel wie ‚zerzaust‘ im chilenischen Spanisch).

Matilde erinnerte sich, wie sie eines Nachmittags mit Pablo in dem Viertel, was heute Bellavista heißt, spazieren ging und beide ein zum Verkauf stehendes Stück Land zu Fuße des Cerro San Cristóbal sahen. Das Grundstück war von wucherndem Dornbusch übersät  und hatte eine ausgesprochene  Hanglage. „Wir waren vom Wassergeräusch wie verzaubert“, erinnert sich Matilde, „das war ein richtiger Wasserfall, der da durch den Kanal auf der Anhöhe runterkam.“

Beide waren sehr begeistert und entschieden sich für den Kauf des Grundstücks. Wesentlich später, ruft Neruda erneut das „laufende Wasser, das  in seiner Sprache schreibt“ und den „Dornbusch, der den Ort mit seinem blutrünstigen Geäst bewachte“ in seinem Gedicht „La Chascona“, aus dem Buch Das Gondellied, an.

Mit der Konstruktion des Hauses wurde der katalanische Architekt Germán Rodríguez Arias beauftragt. Als dieser das derart abschüssige Gelände sieht, prophezeit er, dass die Bewohner des Hauses dazu verdammt sein würden, ihr Leben lang Treppen steigen zu müssen. Er plante den Wohnsitz mit Blick auf die Stadt. Neruda, jedoch, wünschte eine Aussicht auf die Gebirgskette, wodurch das Haus auf den Plänen gedreht wurde. Und dies war nicht der einzige Eingriff des Dichters in die Baupläne.  Er ließ aus dem Süden des Landes Zypressenzweige fürs Wohnzimmer kommen, kümmerte sich persönlich um die Auswahl des Holzes und anderer Materialien für die Errichtung des Hauses, er diskutierte und veränderte Einzelheiten im Bau. Letzten Endes musste Germán Rodríguez anerkennen, dass das Haus schließlich mehr der Kreation Nerudas, als seinen eigenen Entwürfen ähnelte.

Anfangs wurden nur das Wohnzimmer und ein Schlafzimmer errichtet. Matilde lebte zu der Zeit alleine in dem Haus. „Ich habe den ganzen Tag in meinem Garten gearbeitet“, erinnert sie, „es gab keinen Baum, keine Pflanzen in dem Garten, die nicht von mir persönlich ausgewählt und eingepflanzt wurde…“. Währenddessen lebte der dichter weiterhin mit seiner Ehefrau, Delia del Carril, in dem Wohnsitz in dem Lynch-Boulevard, welchen sie „Michoacán“ getauft hatten.

Viele von Nerudas Freunden waren in das Geheimnis von „La Chascona“ eingeweiht. Unter ihnen war auch der mexikanische Wandmaler, Diego Rivera, der für das Haus ein zweiköpfiges Portrait von Matilde malte. Wenn man das Bild genau betrachtet, erkennt man, dass verborgen im Haar von Matilde das Profil Nerudas, jenes Liebhabers, der noch im Verborgenen existiert, zu erkennen ist. Dieses Bild ist eines von den vielen Objekten, die heutzutage in dem Museumshaus zu sehen sind.

Im Februar 1955 trennt sich Neruda von Delia del Carril und zieht nach „La Chascona“. Das Haus war bis dahin um eine Küche und ein Esszimmer vergrößert worden. Später wurden auch noch die Bar und die Bibliothek dazu gebaut.  Um die letzteren baulichen Veränderungen kümmerte sich ab 1958 der Architekt Carlos Martner, da Rodríguez Arias bereits nach Europa zurückgereist war.

chascona4Martner hat die Einzigartigkeit, mit der Neruda seine Häuser entwarf, kommentiert. Neruda habe nie konform zur konventionalen Planweise gehandelt, die mit dem Entwurf funktionaler, räumlicher und struktureller Pläne beginnt: „einmal wollte er eine Ecke schaffen, die dazu dienen sollte ein Fenster ein Bild und einen Sessel, die ihm sehr gefielen, unterzubringen“. So hat er stets den Raum an das Objekt und das Ganze an den einzelnen Teil angepasst.

Am Beispiel von „La Chascona“ wird deutlich, was Miguel Rojas Mix am Baustil von Neruda als vom herrschaftlichen und bürgerlichen Geschmack jener Zeit entfernte Form der Raumplanung bezeichnet: Neruda war mehr an dem inneren Ambiente, an dem intimen Raum, als an auffallenden Fassaden interessiert.

„La Chascona“ erlebte seinen Tod und seine Wiederauferstehung. Am 23. September 1973, Tage nach dem Militärputsch, der den Präsidenten Salvador Allende stürzte, stirbt Neruda in der Clínica Santa María de Santiago. „La Chascona“ wird zum Objekt von Vandalismus. Der Bewässerungsgraben, den der Dichter so liebte, wurde verstopft, wodurch das Anwesen überflutet wurde. Es mussten Holzbretter über den entstandenen Schlamm verlegt werden, um das Grundstück wieder begehbar zu machen, da Matilde Urrutia auf einer Beisetzung des Dichters in dem Anwesen bestand. Sie ließ einige wenige Freunde zusammenkommen, die die Totenwache in der Nacht im Wohnzimmer mit kaputten Fenstern, abhielten.

Matilde hat sich um eine Wiederherstellung des Hauses, das sie gemeinsam mit Neruda gebaut hatte, sehr bemüht. Schließlich lebte sie in dem Haus bis zu ihrem Tod 1985. „La Chascona“ ist wiederauferstanden und ist heute ein Museumshaus, das zum Ziel hat, das Leben des Dichters bekannt zu machen und einen Zugang zu seinen Privaträumen, in denen er Lebte und als Künstler wuchs, zu gewähren.

chascona3In „La Chascona“ wird, neben anderen Sammlungen, eine interessante Pinakothek, mit Werken chilenischer und ausländischer Maler aller Zeiten verwahrt. Desweiteren, ist eine Sammlung afrikanischer Holzschnitzereien und eine Kollektion von Möbeln und Objekten des Designers Piero Fornasetti zu sehen. Außerdem sind da noch die privaten Räumlichkeiten des Dichters, wie sein Esszimmer mit dem original erhaltenen  Geschirr und Besteck.
 
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